Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) Diskussionsforen

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Foren-Gruppen Wirtschaft & Soziales Wirtschaft & Soziales Beitrag Nr. 179
Beitrag Nr. 179
FI
Gast in den ödp Forum
01-10-05, 02:28 Uhr (MEZ)
 
"Utopia"
 
   Eine kleine Utopie:
Jede einzelne Nation verfügt über Unmengen an Schulden. Wer ist eigentlich der Gläubiger?
Wäre es nicht vernünftig, zu sagen: Okay, wir haben alle falsch gewirtschaftet. Anullieren wir sämtliche Schulden und wagen einen Neuanfang!
Keine Steuergelder müssen mehr in der Teiltilgung untilgbarer Schulden versickern, kein Staat muss mehr am Gängelband eines anderen hängen.
Wir können wieder gesund wirtschaften.

Anstatt deutsche Verhältnisse an die der fernöstlichen Sklavenarbeiter anzupassen, wagen wir das Gegenteil. Nicht unsere Löhne werden gesenkt, nein, wir stürzen die Billiglöhne.
Weltweit gültige Tarifverträge werden ausgehandelt, kein Unternehmen läuft je wieder in Gefahr, zum Heuschreckenschwarm zu werden.

In allen Staaten wird das Gastrecht eingeführt:
Bestrafung krimineller Angehöriger, Rausschmiss krimineller Gäste. Friedliche Menschen dürfen bleiben und alle Privilegien genießen.
Wir scheren uns nicht mehr um Rassen und Nationalitäten, sondern existieren friedlich neben- und miteinander, wobei jede Nation für ihre Kriminellen zuständig ist.

Die Weltreligionen verzichten auf ihren Alleingültigkeitsanspruch und orientieren sich an ihrer Essenz: Keine Steuer mehr für die Erlösung,
kein moralapostolisches Gehabe mehr gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen.

Jeder Mensch sorgt direkt für seinen Nächsten,
anstatt sich für das Elend des Übernächsten zu schämen. Geldgier findet ihr Ende, Millionäre spenden überflüssiges Guthaben an Bedürftige

Soweit der Traum... Ich weiß, dass er nicht realistisch ist, aber die Welt könnte so schön sein...


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  Ich will auch ein ökologisches UTOPIA!, Usul , 02-10-05, 19:25 Uhr, (1)
  RE: Utopia - wer sind die Gläubiger, AlterDenker , 04-10-05, 07:39 Uhr, (2)
     "System der politischen Oekonomie", Usul , 12-10-05, 23:20 Uhr, (3)
  RE: Utopia, unwichtig , 13-03-06, 14:52 Uhr, (4)

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Usul
Gast in den ödp Forum
02-10-05, 19:25 Uhr (MEZ)
 
1. "Ich will auch ein ökologisches UTOPIA!"
 
 
   Ich bin FÜR die Schaffung eines neuen Utopias...in der EU als Gross-Bolkswirtschaftsram mit starken Regionen und Kommunen und dezentraler Organisation beispielsweise.

Eine sozial-ökologische Gesellschaft mit schuldenfreier und positiv-zinsfreier Freiwirtschaft.

Ferner staatliche produktive Kredit-Schöpfung, langfristig angelegt.

Deine Ideen ähneln sehr denen Silvio Gesells!
(der wollte Freiland und Freigeld!)

Siehe auch:

Humanwirtschaftspartei

http://www.humanwirtschaft.org/

Mit der die ÖDP zusammengehen sollte.
Nur durch Ausschaltung des Zinsmechanismus im Geld-System kommen wir von der Notwendigkeit des fossile Ressourcen verbrauchenden ständigen Wirtschaftswachstums und weiterer Automatisierung weg.

Siehe auch Vorschäge im Forum:

http://lichterzentrum.de/


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http://www.zeit-fragen.ch/

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Artikel 6: Zeit-Fragen Nr.36 vom 12.9.2005

Woran krankt unser Geldsystem?

Wie ein kranker Kreislauf saniert werden kann
von Professor Eckhard Grimmel, Hamburg
zf. In seinem gut lesbaren Buch «Kreisläufe der Erde» beschreibt Eckhard Grimmel, Professor für Geographie an der Universität Hamburg, die Naturprinzipien des Kosmos und der Biologie, die für unser Leben auf der Erde bestimmend sind. Im Detail werden behandelt: die Kreisläufe des Weltalls, der Luftkreislauf, der Wasserkreislauf, der Gesteinskreislauf u.a. Im Kapitel 7, «Die Anthroposphäre», überträgt er die Kreislaufphänomene der Natur auf unser gesellschaftliches Leben. Angesprochen werden die folgenden Sachgebiete: 7.1 Wie viele Menschen erträgt die Erde? 7.2 Wem sollten der Grund und Boden und die Rohstoffquellen gehören? 7.3 Woran krankt unser Geldsystem, und wie kann dieser kranke Kreislauf saniert werden?

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Um das Wesentliche noch einmal zu betonen:

Gesell hat zweifelsfrei die Verstaatlichung des Geldwesens gefordert, ebenso wie er im zweiten Teil seiner NWO auch die Verstaatlichung des Landes (Grundflächen + Rohstoffquellen) gefordert hat. Anders ausgedrückt: Geldschöpfung, Geldmengenregulierung und Geldumlaufsicherung sind Staatsaufgaben. Dazu gehört selbstverständlich auch die Konsequenz, dass das vom staatlichen Währungsamt herzustellende Geld nicht über private Geschäftsbanken, sondern nur über Staatsorgane in den Geldkreislauf eingespeist werden darf, und zwar schuldfrei und zinsfrei!

Ob das nur in der Weise geschieht, wie es Gesell skizziert hat, also durch Finanzierung von Staatsaufgaben, oder beispielsweise auch durch Auszahlung von Kopfgeld, darüber kann selbstverständlich neu nachgedacht werden. Wichtig ist dabei auf jeden Fall, dass das Währungsamt die Geldmenge so dosiert und deren Umlauf durch Erhebung von Hortungsgebühren so sichert, dass der Preisindex konstant bleibt.

Entscheidend ist also, dass es sich beim Währungsamt um eine staatliche Behörde (Amt) handeln muss, die allen Bürgern des Staates dient, nicht jedoch, wie die heutige Zentralbank, ausschliesslich den privaten Geschäftsbanken, welche das Geld nur gegen Zins und Zinseszins an Produzenten, Konsumenten und Staatsorgane (!) verleihen und deshalb absurderweise insgesamt mehr Geld zurückverlangen, als sie jemals ausgeliehen haben.

Dass die Aufgaben eines Währungsamtes gesetzlich präzis gefasst werden müssen, ist selbstverständlich, denn sonst wäre dieses Amt eventuellen freigeldwidrigen Anweisungen der einen oder anderen Staatsregierung ausgesetzt.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sei zur Verdeutlichung hervorgehoben, dass Gesells Forderung einer Verstaatlichung des Geldwesens auf keinen Fall kommunismusverdächtig ist. Ganz im Gegenteil:Durch den Zinseszinsmechanismus bedingtes exponentiell wachsendes leistungsloses und somit ungerechtes Einkommen aus Geldverleih führt zu einer fortschreitenden Polarisierung der Gesellschaft in wenige reiche Herrscher und viele arme Beherrschte, also zu einer Plutokratie. Gerade diese ungerechte Polarisierung ist es, die bekanntlich zu Revolutionen mit nachfolgenden kommunistischen oder anderen Diktaturen führen kann.

Dagegen würde ein gerechtes Geldwesen, das einen zinsfreien Zugang zum staatlichen Geld ermöglicht, grundsätzlich allen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, entsprechend ihren persönlichen Vorstellungen, Fähigkeiten und Leistungen. Und wenn Menschen «geldgerecht» behandelt werden, sind sie nicht nur zufrieden, sondern auch friedlich. Somit würde die Geldrechtsreform auch für die nationale und internationale Friedenssicherung eine völlig neue Perspektive schaffen!

Leider macht es keinen Sinn mehr, wenn sich der deutsche Gesetzgeber jetzt bemühen würde, die deutsche Zentralbank, also die sogenannte Deutsche «Bundesbank», in ein Deutsches Währungsamt umzuwandeln, da mit Ablauf des Jahres 1998 die Zuständigkeit für die deutschen Währungsangelegenheiten an die Europäische Zentralbank abgetreten worden ist. Jetzt ist der Gesetzgeber der Europäischen Union aufgerufen, die rechtlichen Grundlagen für die «Entstörung» des Geldkreislaufs in der Europäischen Union zu schaffen.

Leider haben die Staats- und Regierungschefs sowie die Aussenminister der 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union am 25. Oktober 2004 in Rom eine «Verfassung für die Europäische Union» unterzeichnet, in der das auf dem Schuld-, Zins- und Zinseszinsprinzip basierende Bankensystem legalisiert ist. Um aber die ökonomische, soziale und politische Funktionsfähigkeit der Europäischen Union langfristig zu sichern, müsste die Verfassung korrigiert werden.

Artikel 6: Zeit-Fragen Nr.36 vom 12.9.2005, letzte Änderung am 13.9.2005
Zum Artikel-Anfang: auf den roten Balken klicken!
© Zeit-Fragen 2005, Redaktion und Verlag, Postfach, CH-8044 Zürich, Tel. +41-1-350 65 50, Fax +41-1-350 65 51 http://www.zeit-fragen.ch

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Grüsse

Usul


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AlterDenker
Gast in den ödp Forum
04-10-05, 07:39 Uhr (MEZ)
 
2. "RE: Utopia - wer sind die Gläubiger"
 
 
   Lieber FI-Utopist,
die Frage, wer die Gläubiger des Staates sind, sollte beantwortbar sein.
Die Staaten legen normalerweise Staatsanleihen auf, die dann von Banken oder Versicherungen gekauft werden.
Diese verkaufen die Anleihen dann z.T. an Ihre Kunden weiter.

Die simple Streichung der Staatsschulden hätte natürlich zur Folge, dass die Gläubiger ihre Guthaben auch streichen müssten.
Das wäre bei den Privatgläubigern volkswirtschaftlich gesehen nicht so schlimm, aber die Banken und Versicherungen müssten zusammenbrechen.
Sämtliche Sparguthaben sind dann auch vernichtet.

Es ist aber ohnehin ein unhaltbarer Zustand, dass die Staatsschulden und die Bankschulden insgesamt permanent ansteigen.
Der Anstieg ist nämlich immer höher als die liebe Wirtschaft (dann) wächst.
Es ist also schon vorprogrammiert, dass es einmal einen Knall tun muss.
Der kommt in kapitalistischen System so alle 60 Jahre immer wieder:
1873 gab es in Mitteleuropa die Gründerkrise 60 Jahre nach dem Ende der Napoleonischen Kriege.
In den USA gab es 1929 den großen Börsenkrach ("Schwarzer Freitag"), etwas mehr als 60 Jahre nach Ende des Sezessionskrieges, der in den USA als Schuldenvernichter gedient hatte.
Rund 70 Jahre nach der glorreichen Oktoberrevolution gab es in Osteuropa den Zusammenbruch ("Wende") mit einer ordentlichen Hyperinflation und in Jugoslawien dann einen Krieg. Dieser sowjetischer Machtblock wird zwar üblichwerweise nicht als kapitalistisch gesehen, das Geldsystem war aber gleich konstruiert.
Demnächst ist bei unser wieder eine große Entschuldungskrise fällig.
Der 2. Weltkrieg hat ja auch als Schuldenvernichter gewirkt.
Zwecks allgemeiner Entschuldung braucht es eine Hyperinflation. Dann sind Schulden und Guthaben weg.
Nur leider gibt es eine große Tendenz, dass so etwas immer mit kriegerischen Ereignissen kombiniert auftritt.

Da wäre es angesagt, die Schuldenmacherei endlich zu beenden.
Das geht, wenn der Staat statt Schulden einfach Geld macht. Das könnte er gleich zu tun beginnen.
Aber wie ich den Laden kenne, gibt es hier Tabus und Blockaden.

A.D.
Systemanalytiker


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Usul
Gast in den ödp Forum
12-10-05, 23:20 Uhr (MEZ)
 
3. ""System der politischen Oekonomie""
 
 
   "System der politischen Oekonomie"
Von Dr. Gustav Ruhland
o. ö. Professor für politische Oekonomie
an der Universität Freiburg (Schweiz)

http://www.vergessene-buecher.de/

http://www.vergessene-buecher.de/system.html#anfang

Ruhland

http://www.vergessene-buecher.de/ruhland.html#anfang

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Gustav Ruhland
Nationalökonom
* 11.6.1860 Hessental (Spessart)
† 5.1.1914 Bad Tölz
Ruhland war Landwirt, studierte
Wirtschaftswissenschaften und veröffentlichte ab 1882
Schriften und Fachbücher zur Agrarpolitik. Nach
verschiedenen Studienreisen habilitierte er sich 1893
für Nationalökonomie in Zürich. Von 1898 bis 1901 war
er Professor an der Universität in Freiburg. Danach
widmete Ruhland sich voll der publizistischen
Tätigkeit und schrieb u. a. seine Hauptwerke „System
der politischen Ökonomie“ (Drei Bände, 1903 — 1908)
und „Volkswirtschaftliche Grundbegriffe“ (1910).

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System der politischen Ökonomie
Band 1
Allgemeine Volkswirtschaftslehre
Titelblatt der Erstausgabe von 1903 ⇓

http://www.vergessene-buecher.de/band1/index.html#anfang

Band 2
Entwickelungsgeschichte der Völker

http://www.vergessene-buecher.de/band2/index.html#anfang

System der politischen Ökonomie
Band 3
Krankheitslehre des sozialen
Volkskörpers

http://www.vergessene-buecher.de/band3/index.html#anfang

http://www.vergessene-buecher.de/ruhland.html#anfang

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8. Zusammenfassung der charakteristischen
Symptome bei Erkrankung des Volkskörpers
am Kapitalismus.
a) Herrschender Zug der Zeit: möglichst viel Geld
verdienen, gleichgültig wie und wo? Die
Berücksichtigung der landwirtschaftlichen und
agrarischen Verhältnisse tritt mehr und mehr zurück.
Die Interessen von Handel und Industrie, Banken und
Börsen werden massgebend. Fast alles wird zur beliebig
verkäuflichen Ware im Strudel des vom Geld allein
beherrschten Marktes.
b) Allgemein zunehmende Verschuldung. Wucherfreiheit,
Zunahme des Rentnertumes. Vernichtung des
selbständigen Mittelstandes. Ausbreitung des
Proletariats.
c) Bei wachsendem Reichtum rasche Zunahme des Luxus.
Latifundienbildung auf dem Lande. Verschwinden des
Bauernstandes. Abströmen der Bevölkerung vom Lande
nach der Stadt und dem Auslande.
d) Die Menschen werden immer habgieriger, immer
rücksichts- und skrupelloser im Erwerb, allgemeine
Verschlechterung der Moral und der Bürgertugenden.
Korruption. Wahlbestechungen. Fortgesetzte Fälschungen
der öffentlichen Meinung im Erwerbsinteresse.
e) Mit der wachsenden Abhängigkeit der Brotversorgung
des Volkes von der ausländischen Zufuhr mehrt sich die
Zahl der Notjahre und verschärfen sich die
Preisschwankungen.
f) Der Staat dient nicht mehr in erster Linie der
Gerechtigkeit, sondern vielmehr den Erwerbszwecken der
Reichen. Die Kriege werden eine Form des
wirtschaftlichen Erwerbs der Reichen.
g) Um die wachsende Zahl der Proletarier mit der
herrschenden Politik im Interesse des Reichtums zu
versöhnen, beginnt ihre Versorgung aus der Staatskasse
bei Einführung zwangsberufsgenossenschaftlicher
Organisationen. Die Anforderungen an die Staatskasse
wachsen rasch.
h) Die staatliche Politik des Reichtums führt zu
kapitalistischen Handelsverträgen, zur
kapitalistischen Kolonialpolitik, zur Weltpolitik.
Bedenkliche Zunahme der Kriegsjahre.
i) Wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung.
Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, Eheflucht.
Abnahme der Bevölkerung. Menschenmangel. Bürgerkriege.
Die Auflösung steht bevor.
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Das hat mit Geheim-Politik und Händler-Geschichte der Großlaufleute zu tun!


Über die Oligarchen und Plutokraten: Ein linker freimaurerischer Jakobiner: Robespierre...und die Bedrohung der französischen Revolution 1789.

"Habt ihr die Spekulation geächtet? Nein. Habt ihr die Todesstrafe für Schieber verhängt? Nein. Habt ihr bestimmt, worin die Freiheit des Handels besteht? Nein. Habt ihr den Handel mit Hartgeld verboten? Nein. Nun gut - wir erklären euch, daß ihr für das Glück des Volkes nicht alles getan habt. Die Freiheit ist nichts als leerer Wahn, wenn eine Menschenklasse die andere ungestraft aushungern kann. Die Gleichheit ist nichts als leerer Wahn, wenn der Reiche mit Hilfe des Monopols das Recht über Leben und Tod seines Mitmenschen ausübt. Die Republik ist nichts als leerer Wahn, wenn sich die Konterrevolution Tag für Tag durch den Preis der Lebensmittel vollzieht, den Dreiviertel der Bürger nicht bezahlen können, ohne Tränen zu vergießen ... Entscheidet also noch einmal. Die Sansculotten mit ihren Piken werden eure Dekrete zur Ausführung bringen."

Robespierre, Jakobiner

http://www.walter-markov.de/frzrev1.htm

"Das Vaterland, verdammt noch mal, - war in Nummer 279 des Père Duchesne zu lesen - die Großkaufleute haben keins. Solange sie glaubten, daß ihnen die Revolution von Nutzen sei, waren sie mit von der Partie. Sie haben den Sansculotten die Hand gereicht, um Adel und Parlements zu vernichten. Das war aber, um sich selber an die Stelle der Aristokraten zu setzen. Seit es nun keine Aktivbürger mehr gibt, seit der ärmste Sansculotte über die gleichen Rechte verfügt wie der reichste Steuereinnehmer, haben alle diese Scheißkerle ihre Kittel gewendet und setzen Gott und die Welt in Bewegung, um die Republik zu zerstören. Sie haben alle Nahrungsmittel, alle Bedarfsgüter gehortet, um sie uns zum Gewicht des Goldes zurückzuverkaufen oder uns die Hungersnot zu bringen."

Das goldene Mittelalter

In der Zeit von 1150 bis 1450 gab es in Mitteleuropa eine krisenfreie Zeit, welche durch eine geniale zinsfreie Währung erreicht wurde: Um 1150 begann Erzbischof Wichmann (1110-1192) aus Magdeburg damit, Münzen herauszugeben, welche zweimal im Jahr zum Umtausch aufgerufen wurden. Ziel war es, die Steuern einfach und regelmäßig einzutreiben. Dabei wurden 12 alte Pfennige gegen 9 neue ausgetauscht, die Differenz war Steuer. Anders als heute, mußte damals gerade das Kapital Abgaben entrichten, während die Arbeit davon befreit war. Um die Münzen schnell und ohne viel Aufwand wieder einschmelzen und umprägen zu können, waren sie nur einseitig geprägt und aus dünnem Blech, daher ihr Name " Brakteaten" (bractes = dünnes Blech). Bald schon breitete sich diese Methode über das ganze Land aus. Das führte dazu, daß sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Um dem nächsten Umtausch zu entgehen, wurde Geld zinslos weiterverliehen, da nur der Besitzer der Münzen die Umtauschgebühr zahlen mußte. Damit war Geld wieder reines Tauschmittel, nicht mehr Wertaufbewahrungsmittel, das nur durch Zinsangebote wieder in den Wirtschaftskreislauf gelockt werden konnte. Das Ergebnis war die größte Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte. Damals waren die sozialen Unterschiede so ausgeglichen wie nachher nie mehr im historischen Verlauf. Wer viel hatte, erwarb den Wohlstand durch Arbeit, nicht durch leistungslose Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro Jahr lag bei 90, oftmals über 150. Sehr bald wurde auch der arbeitsfreie Montag eingeführt. Damit mussten die Handwerker nur vier Tage in der Woche arbeiten. Noch am Ausgang dieses Zeitalters, um 1450, konnte Erzbischof Antonin von Florenz es als selbstverständlich bezeichnen, dass für die Gewinnung des notwendigen Lebensunterhaltes eine kurze Arbeitszeit genüge und dass nur derjenige lange und viel arbeiten müsse, der nach Reichtum und Überfluss strebe. Die tägliche Arbeitszeit war z.B. bei Bergwerksknappen in Freiburg auf sechs Stunden begrenzt. Auch auf dem Land wurde die Ausbeutung zurückgedrängt, weil der geknechtete Bauer die Möglichkeit hatte, in den schnell wachsenden Städten einem Handwerk nachzugehen. Das Einkommen war so hoch, daß sich etwa in Augsburg ein Tagelöhner mit seinem täglichen Verdienst fünf bis sechs Pfund des teuersten Fleisches leisten konnte. In Meißen mussten jedem Maurergesellen wöchentlich fünf Groschen Badegeld gegeben werden, in einer Zeit, in der ein einziger Scheffel Korn sechs Groschen und fünf Pfennige kostete. Der sächsische Scheffel faßte 103,8l. Wie gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muss, zeigt die Entwicklung der Städte in Deutschland (Abb. 9).
Abb. 9: Städteneugründungen in der Geschichte
Um 1300 wurde ein Höhepunkt der Städteneugründungen als Maß für die wirtschaftliche Entwicklung erreicht, welcher in der ganzen Geschichte vor und nach dieser Zeit nie mehr geschah. In der Zeit von 1150-1450 wurden die großen Dome und Kathedralen in Europa gebaut - Finanziert durch freiwillige Spenden der Bürger. Allein schon hieraus wird deutlich, wie zuversichtlich die Menschen damals gewesen sein müssen. Wer spendet schon für ein Jahrhundertprojekt, wenn er nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch leben wird?
Die Situation änderte sich, als auf Druck von machtsüchtigen Kaufleuten hin, schrittweise Geld eingeführt wurde, welches nicht mehr verrufen wurde. Das Augsburg der Fugger gehörte mit zu den ersten Plätzen, an denen die Münzverrufung um vier Jahre hinausgeschoben wurde. Nach vollständiger Einführung des Dickpfennigs (beidseitig geprägtes schweres Geld) konnten die Fugger sich zwischen 1480 und 1560 zu einer der mächtigsten Familien der damaligen Welt aufschwingen. Geld wurde dann nur noch hochverzinst verliehen. Beispielsweise brachte eine Anlage von 900 Gulden nach sechs Jahren 30.000 Gulden Zinsertrag. Bei den dem Bauern auferlegten Geldabgaben musste er im Falle von Säumigkeit Zinsen zahlen, und zwar nach dem sogenannten " Rutscherzins" für jeden Tag des Verzuges den verdoppelten Zinssatz. Mit der schrittweisen Einführung des " Ewigen Pfennigs" verschob sich damit die Vermögensverteilung innerhalb weniger Jahrzehnte so drastisch, dass die gotischen Bauten aus Geldmangel in ganz Mitteleuropa nicht mehr fertiggestellt werden konnten. Überall in Europa wurden die Dome mehr als 300 Jahre lang nicht weitergebaut und erst im letzten Jahrhundert vollendet. Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung verschlechterte sich so stark, dass es Anfang des 16. Jahrhunderts zu blutigen Bauernkriegen kam. Die Zünfte waren nicht mehr für jeden frei, den meisten war der Weg in die Selbständigkeit versperrt, es entstand eine neue Schicht der abhängigen Lohnarbeiter. Gleichzeitig wurden neue Entdeckungen und Erfindungen unterdrückt. So verbot die Zunft beispielsweise den Vorläufer des mechanischen Webstuhls im Jahr 1586 und ermordete deren Erfinder. Da sich die Menschen die schnelle wirtschaftliche Verschlechterung nicht erklären konnten, kam es zu Hexenverbrennungen, die ab 1484 zunehmend veranstaltet wurden. Das finstere Mittelalter zog herauf und hält im Prinzip bis heute an.
Schlußbetrachtung
Die Werte von Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Sozialpartnerschaft werden, wenn die derzeitigen Entwicklungen anhalten, langfristig völlig verschwinden und nur noch in den Erinnerungen der Menschen vorhanden sein. Ursache dafür ist ein wegen des Zinseszinsmechanismus auf ständige Expansion angewiesenes System, in welchem sich die Rendite langfristig nur dann aufrechterhalten lässt, wenn scheinbar überholte Werte verschwinden. Diese Entwicklung führt sowohl zu einer ungerechten, weil nicht mehr an die Leistung gebundenen, Vermögensumverteilung von unten nach oben, wie auch zur Globalisierung, in welcher der Druck auf die Erdenbewohner unvorstellbare Ausmaße annehmen wird. Am Ende wird sogar dieser steigende Arbeitszwang - bei sinkenden Löhnen - nicht mehr ausreichen, um die explodierenden Schulden zu bedienen. Wie schon immer in der Geschichte, zerfällt dann das System durch Kapitalmangel in einer deflationären Abwärtsspirale. Parallelen beispielsweise zum Untergang des antiken Roms lassen sich heute schon finden: Grenzenloser Reichtum weniger bei zunehmender Armut vieler wie auch Brot und Spiele, um Unruhen durch die Ungerechtigkeiten im System zu unterbinden. Es gibt heute keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Gesellschaft ein anderes Schicksal zu erwarten hätte, wenn die momentanen explodierenden Entwicklungen im Kapitalsystem andauern. Im Gegenteil: Die entstandenen technischen Möglichkeiten erhöhen sogar das Risiko von Verzweiflungstaten, welche schnell in einer Katastrophe enden könnten. Dass es nicht immer so war, zeigte die kulturelle Blütezeit im Hochmittelalter, in der 300 Jahre lang ein zinsfreies Geld umlief, welches sowohl die Armut beseitigte als auch zu einer Gesellschaft führte, in der Chancengleichheit und Gerechtigkeit nicht bloße Worte, sondern lebendige Tatsache waren. Unsere Verpflichtung ist es, aus der Geschichte zu lernen und eine Ordnung, wenn auch in moderner Form, zu schaffen, welche jedem die freie Entfaltung der Persönlichkeit ohne Druck und Zwang von außen ermöglicht, wie dies auch die Begründer des deutschen Grundgesetzes im Auge hatten.

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Grüsse

Usul


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Gast in den ödp Forum
13-03-06, 14:52 Uhr (MEZ)
 
4. "RE: Utopia"
 
 
   Noch eine Utopie:

Deutschland gewinnt die WM!!!


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