Hier ein Beschluss der ÖDP. Was haltet ihr von diesem Ansatz?"Der CO2-Budgetansatz als Weltklimavertrag"
Wie über eine Ressourcenwährung eine ethisch robuste, ökologisch konkrete und verlässliche Antwort auf Klimaveränderung, Ölfördermaximum und Wirtschaftskrise organisiert werden kann.
Beantwortet werden die Fragen:
Wie können wir wahren Klimaschutz organisieren und eine gerechte Ressourcenverteilung sicherstellen?
Wie kann die Begrenztheit unseres Planeten in einen politischen Rahmen gegossen werden?
Wie kann ein Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft gelingen, wie aus dem Ende des billigen Öls Nutzen ziehen?
Dies war der beim Bundesparteitag beschlossene Antrag:
Antrag zum Bundesparteitag der ödp in Bingen am 9./10.5.2009
Der Bundesparteitag möge den wirtschaftspolitischer Teil des Grundsatz- sowie des Europa- und Bundespolitischen Programmes neu fassen und den neuen Punkt „Einführung einer Ressourcenwährung mit persönlichem CO2-Budget“ einarbeiten
Die regulativen Maßnahmen haben zu wenig Biss, die internationalen Vereinbarungen hinken den Erfordernissen weit hinterher, die monetäre Regulierung (über Öko- und Energiesteuern und Emissionshandel) können nicht greifen. Diese Abgaben werden auf die Verbraucher abgewälzt und treffen damit hauptsächlich die unteren Einkommensschichten. Vor allem aber wachsen die Gewinne und der Cash Flow in der immateriellen Wirtschaft (Dienstleistungen, vor allem Finanz-Dienstleistungen, Information und Kommunikation, Medien, Logistik, Lizenzen und Franchises) überproportional. Die gewaltige Kaufkraft, die in diesen Sektoren generiert wird, wirkt und betätigt sich als uneingeschränkter Zugriff auf die schwindenden Ressourcen.
Der Klimawandel, den wir noch vor wenigen Jahren als drohende Gefahr beschworen haben, beginnt, sich zu manifestieren. Wenn es überhaupt noch eine Chance gibt, ihn aufzuhalten, kann dies nur durch eine radikale Umstellung in unserem Stoffwechsel mit der Natur erreicht werden.
Das ödp Konzept
Einführung eines persönlichen CO2-Budgets. Die Höhe des Budgets richtet sich nach dem derzeitigen Pro-Kopf-"Verbrauch" und wird innerhalb von 40 Jahren stetig von 11 Tonnen pro Kopf und Jahr auf die nachhaltig zulässige Menge von zwei Tonnen zurückgefahren. Die CO2-Zuteilung wird auf einer Chipkarte (z.B. EC-Karte) gespeichert, so dass bei jedem Einkauf die in den Waren und Dienstleistungen steckende CO2-Menge abgebucht werden kann.
Begründung
Weder die ödp Ur-Idee einer Steuerreform für Arbeit + Umwelt noch das ansonsten geniale EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) sind in der Lage, das immer krasser werdende Missverhältnis von Kapitalmenge zu realen Naturwerten auch nur ansatzweise umzukehren oder gar für eine (Klima-) gerechte Verteilung der schwindenen (Energie-) Ressourcen zu sorgen. Ein Crash ist damit vorprogrammiert und verlangt einen grundlegenden Systemwechel in der Ausrichtung der Wirtschaft: Die Bindung der Geldmenge an die zur verfügung stehenden Ressourcen.
Es langern noch so viele Kohlenstoffmenge unter Erde, dass deren Verbleib dort durch einen begrenzenden Mechanismus organisiert werden muss.
Das menschliche Wirtschaften wird sehr stark durch den Verbrauch von Energie charaktierisiert. Das Treibhausgas CO2 ist stark repräsentativ für den Energie- und Materialverbrauch. Eine Begrenzung des CO2-Ausstoßes und anderer Naturgüter ist verlässlich zu organisieren. Eine nachhaltige Wirtschaft ist auf Dauer nur auf der Grundlage einer gerechten Verteilung möglich.
Bei 6,5 Milliarden Erdbewohnern gehen viele von einem durch die Erde noch tragbaren persönlichen Budget von 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr aus. In den Industrieländern liegt dieser Wert bei etwa 12 Tonnen, in den meisten Ländern des Südens weit unter 2 Tonnen.
Die CO2-Wirtschaft bindet den Naturverbrauch an ein begrenztes Budget von CO2-Emissionen. Damit wird ein verifizierbarer Begriff von Nachhaltigkeit als Steuerungsinstrument in die Wirtschaft eingebaut. Unsere Nutzung von Ressourcen und Lebenserhaltungssystemen wird dann nicht bestimmt durch das, was wir durch menschliche Anstrengung und Kapital maximal in Bewegung setzen können, sondern durch das, was im Sinne eines Budgets maximal an realen Mitteln (Naturvermögen auf nachhaltiger Basis) zur Verfügung steht.
Das Ressourcenbudget revolutioniert den Wirtschaftlichkeitsbegriff. Wirtschaftlich ist nicht mehr, was Geld spart, sondern was das Naturvermögen schont. Das Konzept einer CO2-Wirtschaft bestimmt die Obergrenze der individuellen Entnahme aus dem als gemein anzusehenden Fonds der lebensnotwendigen Mittel und garantiert damit die Zugriffsmöglichkeit auf diese Mittel für die anderen. Die Ressourcenwährung ist die globale Landreform (Ökologischer Fußabdruck). Es geht darum, die Ansprüche der einen so weit zu beschränken, daß den anderen Raum bleibt oder freigemacht wird zum Leben.
Eine bounded economy (eine durch ein unvermehrbares Tauschmittel begrenzte Wirtschaft) verhindert, daß monetäre Wertschöpfung automatisch zu Ansprüchen an realen Ressourcen wird. Die strikte Trennung zwischen einer realen und einer imaginären Sphäre, dem Reich der sättigbaren und dem Reich der unsättigbaren Bedürfnisse, sorgt dafür, daß zwar imaginäres mit imaginärem Geld (Papiergeld) gekauft und bezahlt werden kann, aber Reales mit realem Geld (Ressourcenguthaben) bezahlt werden muß. Dadurch, daß das Ressourcenguthaben über die Jahre auf ein nachhaltiges Niveau sinkt, wird die Überforderung der Lebenserhaltungssysteme zuverlässig zurückgefahren.
Das persönliche CO2-Kontingent, das vom derzeitigen Stand von 11 Tonnen CO2 pro Jahr ausgeht, wird im Lauf der nächsten 40 Jahre linear auf die zwei Tonnen heruntergefahren, die nach Ansicht der Klimawissenschaftler nachhaltig vertretbar sind. Das CO2-Kontingent wird jedes Jahr (ggf. auch in kürzeren Abständen) jedem Einwohner eines Landes zugeteilt. Bei jedem Einkauf und bei der Bezahlung jeder Dienstleistung wird ihm neben dem Preis in Geld die CO2-Menge, die mit der Produktion und Lieferung des Artikels verbunden war, von seinem CO2-Konto abgebucht. (Anmerkung: CO2 steht stellvertretend für die wichtigsten Treibhausgase; das CO2-Kontingent muss daher auch Methan und Lachgas als CO2-Äquivalent enthalten).
Die Ökosteuer (= Steuerreform für Arbeit und Umwelt) ist gut und richtig. Sie droht jedoch, sich in isolierten Effizienzsteigerungen zu erschöpfen, wobei Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung weiter steigen. So sind z.B. fast alle Produkte der synthetisierenden Petrochemie ein unsinniger Gegenstand der Materialoptimierung. Ebenso ist es fragwürdig, Elemente eines Techniksystems zu optimieren, wenn das System selbst zu den Problemerzeugern gehört. Beispiel: das energie- und materialoptimierte Auto. Das System der individuellen Massenmotorisierung ist hier das Problem. Effizienzsteigerungen werden durch den Masseneffekt kompensiert. Daher wird durch diesen Beitrag vorgeschlagen, diese Vision in die ödp-Programmatik einzubauen und dadurch gesellschaftlich weiterzubringen.
Literatur: Lothar Mayer: Ausstieg aus dem Crash, Entwurf einer Ökonomie jenseits von Wachstum und Umweltzerstörung ( http://www.lothar-mayer.de )
Siehe auch: www.ecoequity.org
Beschluss der Kreishauptversammlung vom 7.8.2008
mit 5/0/0 (Ja/Nein/Enthaltungen)
J. O.
Kreisvorsitzender
Weitere Textbausteine zur Erklärung
Wenn man wirklich ernsthaft die Emissionen von Kohlendioxid reduzieren will, gibt es eine Methode, die alle anderen wie Gesetzen und Selbstverpflichtungen, Verordnungen und Verboten weit in den Schatten stellt: die Einführung eines persönlichen CO2-Kontingents. Bei jedem Einkauf und bei der Bezahlung jeder Dienstleistung wird ihm neben dem Preis in Geld die CO2-Menge, die mit der Produktion und Lieferung des Artikels verbunden war, von seinem CO2-Konto abgebucht. CO2 steht stellvertretend für die wichtigsten Treibhausgase; das CO2-Kontingent muss daher auch Methan und Lachgas als CO2-Äquivalent enthalten.
Für die praktische Einführung eines CO2-Budgets sind alle technischen Voraussetzungen vorhanden. Das persönliche Guthaben ist auf der persönlichen Chipkarte gespeichert. Der Laser-Scanner im Supermarkt oder an der Tankstelle liest neben dem Strichcode für den Preis einen zweiten Strichcode für den CO2-Gehalt vom Etikett der Waren oder vom Kassenzettel ab, und der angeschlossene Kartenterminal belastet die eingelegte Karte entsprechend.
Der Antrag auf eine ressourcenbegrenzte Wirtschaft ist ein visionärer, aber sehr logischer und einfacher Ansatz, das gesamte wirtschaftliche Tun neu auszurichten und auf wirkliche Nachhaltigkeit zu programmieren.
Die CO2 Wirtschaft ist der goldrichtige Ansatz, den Großangriff auf unsere Lebenserhaltungssysteme abzuwehren.
Die ab jetzt beginnende Knappheit auf dem Öl- und Gasmarkt mit der gleichzeitig beginnenden Nahrungsmittelknappheit wird zusammen mit dem Klimaproblem auf einfache Weise miteinander verknüpft und ursächlich behoben. Zudem wird unser Zinsproblem, bei dem sich Geld stetig vermehrt bei gleichzeitig schrumpfendem Naturkapital gelöst und unsere immer weiter grassierende stark mangelndeVerteilungsgerechtigkeit wird umgekehrt.
Das ödp Wirtschaftsprogramm ist nicht ausreichend, um diesen globalen Schadtendenzen einen tragfähigen und wahrhaftige Gegenentwurf, der diese Probleme an der Wurzel angeht, entgegenzustellen. Verkürzt gesagt, reicht es nicht, Ökosteuern zu erheben und nur auf ökosoziale Marktwirtschaft zu setzen.
Das Ziel, der Wirtschaft Begrenzung aufzuerlegen, ist m.E. alternativlos, wird aber seltsamerweise nirgendwo gefordert.
Nach dem jetzigen Modell ohne ein Begrenzungsinstrument für die Wirtschaft, steuern wir einem sicheren Crash zu.
Das CO2-Guthaben wird (ausgehend vom heutigen Stand) jährlich jedem Bürger zugeteilt. Es bildet zusammen mit dem Einkommen die Grundlage der Verbraucherausgaben - als ein zweites, an eine reale Ressource gebundenes Zahlungsmittel. Aus diesem Budget muss bei jedem Einkauf der CO2 -'Verbrauch' bezahlt werden, der bei der Erzeugung der entsprechenden Güter und der Bereitstellung der entsprechenden Dienstleistung verursacht wurde.
Die Entscheidung für ein CO2-Kontingent führt nicht nur zuverlässig zu der notwendigen Senkung der CO2-Emissionen, sondern sie setzt neue Randbedingungen, die für Wirtschaft und Gesellschaft solide Anreize für eine zukunftsfähige Entwicklung bieten.
Alle machen mit - es ist keine Frage des Anstands oder der besseren Einsicht (die wenigen, die sich davon leiten lassen, können das Ruder nicht herumreißen).
Es schafft die langfristige Planungssicherheit, die von der Industrie immer verlangt wird - und die den langfristigen Strukturwandel ermöglicht (1)
Beschäftigungswirkung: Arbeit wird billiger als Energie (in CO2 ausgedrückt) (3)
wird ganz von selbst zum Maßstab für die technische Optimierung(4)
technische Errungenschaften, technische Bestleistungen werden neu definiert (5)
Die CO2-limitierte Gesellschaft wird in wenigen Jahren auf dem Weg zur Solargesellschaft sein (6)
Sozial und ökologisch nachteilige Wirkungen der Globalisierung werden vermieden oder abgefedert (7)
Entwicklungsschub für die lokale/regionale Ökonomie (8)
Gerechtigkeit - global und innerstaatlich (9)
stellt beim Verbraucher eine unmittelbare Verbindung her zwischen Geldausgeben und Naturverbrauch, schärft seine Wahrnehmung, sein Bewusstsein (10)
Marktnähe: Die CO2-Wirtschaft ist keine Bedrohung für Marktwirtschaft, sie ermöglicht ihr im Gegenteil eine freie ökologisch verantwortbare Entfaltung (11)
stellt ein zugleich machbares und nachahmenswertes Modernisierungsmodell für Schwellen- und Entwicklungsländer dar (12)
Die CO2-Wirtschaft bindet den Naturverbrauch an ein begrenztes Budget von CO2-Emissionen. Damit wird ein operationaler und verifizierbarer Begriff von Nachhaltigkeit als Steuerungsinstrument in die Wirtschaft eingebaut. Unsere Nutzung von Ressourcen und Lebenserhaltungssystemen wird dann nicht bestimmt durch das, was wir durch menschliche Anstrengung, Intelligenz und Kapital maximal in Bewegung setzen können, sondern was, im Sinne eines Budgets, maximal an realen Mitteln (Naturvermögen auf nachhaltiger Basis) zur Verfügung steht.
Mit dem Ressourcenbudget wird ein Feedback, ein Steuerungsmechanismus installiert, der die Knappheits- und Stresssignale, die irgendwann in massiver, lebensbedrohender Form von der Biosphäre kommen werden, in die Gegenwart verlegt und in der Gegenwart wirksam werden lässt. Das heißt in einer Zeit, in der wir noch nicht durch katastrophale Zusammenbrüche handlungsunfähig geworden sind und noch unter günstigen sozialen Bedingungen mit Anpassungen unserer Verhaltensweisen reagieren können; und vor dem point of no return, an dem das Klima, von positiven Rückkopplungsschleifen angetrieben, einen Pfad einschlägt, von dem es kein Zurück gibt.
Gegen die Einführung eines CO2-Kontingentes wird es, wie immer in solchen Fällen, laute Proteste und heftige Einreden geben. Die meisten sind ebenso kurzsichtig und von Partikularinteressen geleitet, wie dies bei der Einführung des Katalysators oder beim Verbot von Asbest der Fall war. Gewichtiger erscheint der Hinweis, dass ein Alleingang Deutschlands oder Europas nichts nützt, wenn die übrige Welt, allen voran die USA und China, so weiter machen wie bisher.
Der Einwand ist berechtigt und nicht von der Hand zu weisen - auf den ersten Blick. Aber was haben wir zu verlieren, wenn wir mit diesem Schritt zur Selbstbegrenzung die einzigen bleiben? Wir würden voraussichtlich einige Nachteile erleiden, indem wir wirtschaftlich hinter den anderen Industrienationen zurückfallen - in den wenigen Jahrzehnten oder vielleicht auch Jahren, in denen die Begriffe Wirtschaftswachstum und Anstieg des Sozialprodukts noch eine positive Bedeutung haben, bevor man sie nur noch mit dem Fluch assoziiert, der die zivilisierte Menschheit in die barbarischsten Zeiten gestürzt hat, die sie je erlebt hat.
Aber es gibt einen anderen, viel wahrscheinlicheren Verlauf: Wenn die in vieler Hinsicht zivilisierteste Region der Welt, das alte Europa, auf einen Pfad der selbst gewählten Begrenzung einschwenken würde, würde sie innerhalb weniger Jahre Nachahmer auf allen Kontinenten finden.
Erstens würde diese Entscheidung einen fantastischen Technologie- und Innovationsschub auslösen - die energiesparenden und CO2-freien Energiesysteme, in denen Europa ohnehin schon führend ist, würden dank der Nachfrage aus der ganzen Welt geradezu explodieren.
Zweitens würde sich damit ein Modell abzeichnen, das den Entwicklungs- und Schwellenländern zum ersten Mal einen realistischen Entwicklungspfad anbieten würde. Welches Land könnte es sich, im Zeichen der knapper werdenden fossilen Energieträger und der steigenden Flut der bedrohlichen Klimaereignisse, noch leisten, diesen Pfad nicht einzuschlagen? Die Führungskader, die die Aufholjagd Chinas organisieren, sind nicht weniger aufgekärt als ihre westlichen Gegenspieler. Sie wissen sehr wohl - und sie sehen jeden Tag, wenn sie durch die Straßen Beijings in ihre Büros fahren -, dass der rasante Modernisierungskurs ihres Landes geradeswegs gegen die Wand führt. Sie halten - gegen ihr eigenes besseres Wissen - an diesem Kurs nur deshalb ratlos und verzweifelt fest, weil es keine vorzeigbare Alternative gibt.
Es gibt also sehr gute Gründe dafür, mit dem Ausstieg aus dem Klima-Crash heute zu beginnen - morgen könnte es zu spät sein.
Umsetzung
In einem nachhaltigen Regime kann die Biosphäre global etwa 11 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aufnehmen und verarbeiten. Diese sehr konkrete, belastbare Existenzgrundlage wird allen Menschen als Grundbedürfnisbudget in Form von zwei Tonnen CO2 pro Kopf pro Jahr zugeteilt (one person, one emission right). Selbstverständlich kann dies nicht von einem Tag auf den anderen und auch nicht von einem Jahr zum nächsten geschehen. In der praktischen Realisierung würde jedes Land mit seiner aktuellen Pro-Kopf-Quote beginnen (ca. 11 Tonnen CO2/Kopf in Europa und den meisten Industrieländern, ca. 22 Tonnen in USA); diese Quote verringert sich jährlich um 2,5 %, so dass alle Länder am Ende einer Übergangszeit von 40 Jahren bei 2t/Kopf/Jahr konvergieren.
Auf der Angebotsseite sind alle Güter und Dienstleistungen mit der CO2-Belastung ausgezeichnet, die bei ihrer Produktion und ihrer Verteilung anfallen. Ebenso wie den Preis in €, $ oder ¥ liest der Scanner am Kassenterminal die CO2-Belastung von den Etiketten ab und zieht sie von dem auf der Kredit- oder EC-Karte des Kunden gespeicherten CO2-Guthaben ab.
So viel zur praktischen Umsetzung des Prinzips. Eine ausführliche Darstellung und Begründung finden Sie auf der Website des Autors http://www.lothar-mayer.de/ ). Es würde nur vernachlässigbare Verwaltungskosten nach sich ziehen, da es sich um nichts anderes handelt als einen weiteren Wertstrom, der nach dem Modell der Mehrwertsteuer organisiert und überwacht werden kann. Ein signifikanter Kostenfaktor (auch dieser weit unter dem, was für die Kernenergienutzung oder die Kohlesubventionierung ausgegeben wurde) wäre der Forschungsaufwand, der nötig wäre, um die CO2-Kosten aller Güter und Dienstleistungen zu bestimmen. Es gibt jedoch in Europa umfangreiche Vorarbeiten auf dem Gebiet der Ökobilanzen und Lebenszyklusanalysen, auf die man zurückgreifen könnte. In der Anfangszeit könnte man ohnehin mit groben Schätzungen arbeiten und es den Anbietern überlassen, die nötigen Analysen zu liefern, wenn sie die ihnen zugeschriebene Belastung für überhöht halten.
Der wesentliche Aspekt ist die mikro-ökonomische Wirkung, die von einer so einfachen, wenn auch fundamentalen Modifikation der Randbedingungen ausgeht. Wenn CO2 als Begrenzungsfaktor installiert ist, konzentrieren sich erst gemächlich und dann, wenn das verfügbare CO2-Volumen spürbar schrumpft, immer schneller - die wirtschaftlichen Anstrengungen und ein großer Teil des technischen Innovationspotentials darauf, die energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Angebote für die Erfüllung der Grundbedürfnisse anzubieten. Diese Entwicklung wird "voll"automatisch gesteuert durch die Tatsache, dass die CO2-Rechte auf Pro-Kopf-Basis an die Nachfrager verteilt werden.
Das Projekt hat den Vorzug, dass es nicht an die Grundmechanismen der Marktwirtschaft rührt. Der freie Markt, das Privateigentum, der Wettbewerb, das Gewinnstreben, die Preisfindung und Investitionssteuerung durch Angebot und Nachfrage, die die einmalige Dynamik der kapitalistischen Marktwirtschaft ausmachen, können uneingeschränkt ihre Wirkung entfalten. Die entscheidende Innovation ist eine Änderung der Randbedingungen, die für alle in gleicher Weise gilt und damit die Marktwirtschaft unberührt lässt.
Unschätzbar wäre die Friedensdividende des Projekts. Der Druck der Energiekrise, der sich in nicht allzu ferner Zukunft in bewaffneten Konflikten entladen muss, würde in die Entwicklung der weitgehend selbstversorgenden heimischen Solarwirtschaft umgelenkt.
Eine weitere willkommene Nebenwirkung würde darin bestehen, dass dem organisierten Verbrechen der (goldene) Boden entzogen würde. Drogenkartelle und Mafia-Organsisationen, der illegale Waffenhandel und der Handel mit Frauen und Kindern würden uninteressant werden, weil die Milliarden-Dollar-Profite nur noch Spielgeld wären, weil man sich ohne Zugriff auf CO2-Rechte nichts mehr dafür kaufen könnte.
Ergänzende Texte zur Vertiefung
Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung schlägt übrigens auch ein CO2-Budget vor, allerdings ohne auszuführen, wie dies umgesetzt werden kann.
http://www.wbgu.de/wbgu_sn2009.pdf
Drei Monate vor dem großen Klimapoker hat nun gestern der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen http://www.wbgu.de/ einen radikalen Entwurf für ein Kopenhagen-Abkommen geliefert: einen 40-Jahre-Plan zur Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2050. Der Plan ist mir in seiner Radikalität zum Teil unheimlich, muss ich zugeben, aber zugleich ist er von bestechender Klarheit.
Er geht von drei Prämissen aus:
1. der "Leitplanke" vom 2-Grad-Ziel, nach der eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad in diesem Jahrhundert gerade noch vertretbar ist;
2. der Gleichwertigkeit aller Erdenbürger jeder Mensch bekommt für das Jahr 2050 dasselbe rechnerische CO2-Emissionsrecht von 1 Tonne pro Jahr, ganz gleich ob er in Berlin, New York, Kalkutta oder Addis Abeba lebt;
3. der Einsicht, dass ein individuelles Aushandeln von Emissionszielen für einzelne Staaten, wie in Kioto praktiziert, nicht zum Ziel führen wird.
Soll die 2-Grad-Leitplanke mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent geschafft werden, darf die Welt von 2010 bis 2050 noch 750 Milliarden Tonnen CO2 emittieren (dies ist die softere von zwei Varianten). Die werden nun nach dem voraussichtlichen Anteil eines jeden Landes an der Weltbevölkerung im Jahr 2010 aufgeteilt.
Für folgende Staaten würde das bedeuten, dass sie mit dem CO2-Ausstoß von 2008 noch so viele Jahre weiter emittieren dürften:
Deutschland - 10 Jahre (die Bundesbürger ließen im vergangenen Jahr 0,91 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre verpuffen);
USA - 6 Jahre; Japan - 11 Jahre; China - 24 Jahre; Indien - 88 Jahre; Burkina Faso - 2892 Jahre. Danach wäre
Schluss oder das Ziel bereits verfehlt.
Daraus wird schnell klar, dass vor allem in den Industrieländern sofort eine Klimawende eingeleitet werden muss, um das begrenzte CO2-Kontingent auf die kommenden 40 Jahre zu verteilen.
Des weiteren schlägt der WBGU vor:
– "Die 2-Grad-Leitplanke wird völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben."
– "Die Trendumkehr der weltweiten CO2-Emissionen im Zeitraum 2015 - 2020."
– "Alle Länder verpflichten sich, international und objektiv überprüfbare Dekarbonisierungsfahrpläne vorzulegen."
"Zusätzlich werden fur die Länder mit gegenwärtig hohen Pro-Kopf-Emissionen Reduktionsverpflichtungen bis 2020 vereinbart, um eine Verschleppung der Dekarbonisierungsanstrengungen zu verhindern."
Eine Weltklimabank soll diese Fahrpläne auf Machbarkeit überprüfen und beaufsichtigen.
Ich kann mir bereits jetzt lebhaft den Aufschrei vorstellen, den dieses Konzept bei manchen auslösen wird. Nationalistische Verschwörungstheoretiker werden darin vor allem den Fahrplan zu einem Weltstaat erkennen. Andere werden "Klima-Sozialismus" schreien. Fröhliche Apokalyptiker werden sich "Karbon-Kriege" ausmalen, wenn ein Land sein Nachbarland platt macht, um an die nötige Technik (und Ressourcen) zu kommen und dabei gleich noch dessen CO2-Kontingent einzusacken.
Das mit dem "Klima-Sozialismus" ist noch nicht einmal weit hergeholt. Aber wie sonst? Haben wir Bundesbürger mehr Verschmutzungsrechte als zum Beispiel ein Bengale, der von den abzusehenden Folgen viel härter betroffen sein wird? Genau darüber muss jetzt in Kopenhagen geredet werden. Pikanterweise nennen die WBGU-Autoren als Paten der "Klima-Gleichberechtigung" aller Menschen den indischen Premierminister Manmohan Singh und – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ich freue mich schon darauf, wenn Merkel in der heißen Phase des Wahlkampfs mit dem WBGU-Konzept unter dem Arm durch die Lande tourt und sich den Wählern als "Klima-Sozialismus"-Kanzlerin präsentiert. Schön wäre es. Wahrscheinlich möchte sie nicht einmal daran erinnert werden, dass sie sich für so etwas stark gemacht hat. Aber da hatte sie auf jeden Fall recht.
So konsequent das WBGU-Konzept ist, wäre es aber auch ein Manifest der von mir an dieser Stelle schon einmal mit Argwohn betrachteten "CO2-Religion". Vor der schaudert mich, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die CO2-Fahrpläne mit einer heiteren Entschlossenheit einhergehen würden. Für mich das große Dilemma beim Klimaschutz.
Denoch braucht sich letztlich niemand Sorgen angesichts der Radikalität des Konzepts zu machen. Es wird nicht kommen. Kopenhagen wird höchstens ein anderes Dilemma demonstrieren, das Gefangenendilemma feilschender Staaten, in dem wieder keine brauchbare Lösung herauskommt.
Aber wie sagte schon Che Guevara: Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.
http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/06473/06544/index.html?lang=de
Und so habe ich meine bisherigen Vortäge dazu angekündigt:
Die derzeitige Wirtschaftskrise zeigt uns deutlich, dass unendliches Wachstum- in der der Medizin nennt man das Krebs! - nicht möglich ist. Und die Warnzeichen beim Klimawandel und im Hinblick auf die endlichen Energievorräte sind inzwischen unübersehbar geworden.
Deshalb stellen sich viele Fragen, die ein Abend im Rahmen der ÖDP-Vortragsreihe Wege aus der Krise am Freitag, 26. Juni in Lauf aufgreift: Wie können wir eine gerechte Ressourcenverteilung organisieren und wirklichen Klimaschutz sicherstellen? Wie kann der Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft organisiert werden, damit er nicht zwischen eigennützigen Interessensvertretern und gekauften Politikern zerrieben wird? Wie kann die Begrenztheit unseres Planeten in notwendige Rahmenbedingungen übersetzt werden? Welche Konsequenzen hätte eine Ressourcenbegrenzte Wirtschaft für uns und unsere Mitwelt?
Der Referent, Entwicklungsingenieur Jürgen Osterlänger aus Emskirchen arbeitet nicht nur beruflich, sondern auch als Kreisrat im Landkreis Neustad/Aisch an einer Zukunftsvision für unsere Welt: Eine Ökonomie jenseits von Wachstum und Umweltzerstörung, die er uns vorstellen und weiterentwickeln möchte.
Wenn es zeitlich und räumlich machbar ist, biete ich mich als Referent an.
Einwände
Frage 1: Was nützt es, wenn Deutschland auf so radikale Weise seine CO2-Emissionen senken würde (mit gerade mal 4 % der weltweiten Emissionen), aber alle anderen machen weiter wie bisher? So etwas geht doch nur, wenn alle Länder mitmachen.
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:Alleingang%3F
Frage 2: Was passiert, wenn jemand schon im Oktober sein CO2-Guthaben erschöpft hat?
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:Budget_ersch%F6pft
Frage 3: F: Darf mit CO2-Guthaben gehandelt werden?
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:CO2-Handel
Frage 4: Durch die CO2-Chipkarte wird der gläserne Mensch geschaffen! Sie ist mit dem Datenschutz absolut nicht vereinbar.
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:Datenschutz
Frage 5: Wie soll das gehen, eine CO2-Rationierung einzuführen in einer Gesellschaft, die erstarrt ist vor Angst, dass sich etwas verändern könnte, und zwar zum Schlechteren, und damit erreicht, dass es noch viel schlechter wird.
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:Einf%FChrung_CO2-Kontingent
Frage 6: Was passiert, wenn CO2-Karten gefälscht werden oder andere Methoden zum Betrug mit CO2 auftauchen?
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:F%E4lschung
Frage 7: Es ist lächerlich, das Entropiegesetz auf die Wirtschaft anzuwenden (ein Einwand, der häufig von Naturwissenschaftlern vorgebracht wird). Was hat dieser Begriff Entropie mit der Beanspruchung und Verschlechterung der Umwelt zu tun? Besteht etwa die Gefahr, dass uns die Abwärme den Garaus macht, die bei allen technischen Prozessen entsteht? Oder: Wie groß ist die Entropievermehrung, wenn ein hochgiftiges Gas wie Sarin in die Umwelt entlassen wird?
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:Entropie_u._Wirtschaft
Frage 8: Wenn Deutschland oder die EU die Wirtschaft durch ein CO2-Budget steuerten, würden andere Länder dies als Konkurrenzvorteil nutzen und mit ihren weniger umfreundlichen Waren den Markt überschwemmen.
=> http://www.ausstieg-aus-dem-crash.de/?faq:%D6kodumping
Weitere Fragen würden den vorgegebenen Rahmen von 4 Seiten noch mehr spengen. Sie sind im hervorragenden Buch -Ausstieg aus dem Crash (http://www.amazon.de/Ausstieg-%C3%96konomie-jenseits-Wachstum-Umweltzerst%C3%B6rung/dp/3880950938), das zwar schon 10 Jahre alt ist, ab Seite 138 enthalten. Beispiele:
Darf mit CO2-Guthaben gehandelt werden?
Unterschied zum leistungslosen Grundeinkommen / Gleichmacherei /
EEG löst Energieproblematik ausreichend
Das ist ja Kommunismus!
Wenn ich z.B. ein Haus bauen will, kann ich Ressourcenkredit bekommen?
Welche anderen politischen Konzepte gibt es, um die Hauptprobleme Ökocrash, Geldcrash und Sozialcrash zu lösen?
Welchen anderen Parteien interessieren sich für ressourcenbegrenzte Wirtschaft?
Wie könnte eine solche Vision umgesetzt werden?
Wer wären die Gewinner / Verlierer?
Schon zu spät?